Über mich

Nach dem Psychologiestudium begann meine berufliche Tätigkeit zunächst mit einer Anstellung als wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität Regensburg – am Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie bei Professor Helmut Lukesch. Kurz zuvor hatte die Bindungsforschung (Professor Klaus Großmann, Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie) an unserer Uni Einzug gehalten, was meinen beruflichen Werdegang langfristig prägen sollte. Ich war zwar nicht selbst an diesem Lehrstuhl tätig, habe mich aber schon damals sehr für die Frage interessiert, welche Ausgangsbedingungen kleine Kinder brauchen, um „hinreichend gut“ (eine Formulierung des amerikanischen Kinderarztes Donald Winnicott) aufwachsen zu können.

Es war die Zeit der Studentenbewegung und auch ich lebte in einer politisch engagierten Wohngemeinschaft, als unser erstes Kind zur Welt kam. Wären nicht meine bindungsgeschulten Studienkolleg:innen gewesen, dann hätten mich die kritischen Kommentare mancher Mitbewohner („Wieso redest du so kindisch mit deinem Kind?“ ) nachhaltiger verunsichert. Was heute als angemessene Co-Regulation gilt, war damals noch vielerorts ein No-go: für unsere Eltern zu lasch, für viele unsrer (noch) kinderlosen Freund:innen zu kindisch.

Viele Jahre und weitere drei Kinder später hatte ich deutlich mehr praktische Erfahrung gesammelt- sowohl im Umgang mit Kindern als auch im Erkennen und Erleben der eigenen Grenzen und Stolperfallen des Elternseins. In der Folge sollte ich allen (und auch meinen eigenen) Eltern gegenüber gnädiger begegnen.

Als meine Kinder klein waren, arbeitete ich 10 Jahre lang als forensische Sachverständige für Familien- und Strafgerichte. Zunächst vor allem zu Sorge- und Umgangsrechtsfragen, später zunehmend zur Glaubhaftigkeits-Begutachtung von Zeugenaussagen. Hier hatte ich meist die Aussagen von Kindern oder Jugendlichen in Fällen angeklagten sexuellen Missbrauchs oder Vergewaltigung zu beurteilen. Dabei habe ich dann zum einen meine ersten wichtigen Erfahrungen im Umgang mit traumatisierten jungen Menschen gemacht, wofür ich bis heute dankbar bin. Zum anderen schien mir die Zusammenarbeit mit den Betroffenen zu kurz, zu einseitig aussagebezogen und zu wenig unterstützend. Ich wollte sie länger, verlässlicher und heilsamer begleiten. Meine Betroffenheit und die Erfahrung, dass bei einem Großteil der Aussagen traumatisierter Kinder die herkömmlichen Glaubhaftigkeitskriterien nicht ausreichen, um den Erlebnisbezug gutachterlich bestätigen zu können, hat mich früh dazu veranlasst, mich in diesem Bereich fortzubilden.

Mitte der 90er Jahre begann ich eine sechsjährige, berufsbegleitende Fortbildung in „Personzentrierter Psychotherapie“ bei Frau Dr. Schlippe-Weinberger. Das therapeutische Spiel und die personzentrierte Haltung den jungen Klient:innen gegenüber wurden von da an zentrale Elemente meines therapeutischen Handelns.

Nach meiner Nachqualifizierung im Richtlinienverfahren „Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie für Kinder und Jugendliche (TP-KJP)“ war ich bis Ende 2023 25 Jahre lang in eigener Praxis niedergelassen.

Von Anfang wurden mir viele Kinder und Jugendliche mit traumatischen Vorerfahrungen zur Behandlung vorgestellt, vermutlich infolge meiner forensischen Vor-Tätigkeit. Manchmal zeigte sich der jeweilige Trauma-Hintergrund aber auch erst nach und nach im Laufe der Therapie. Ich sah mich gezielt nach Fortbildungen im Traumatherapie-Bereich um, lernte in den Folgejahren viele verschiedene Verfahren kennen und anwenden (s.“Traumatherapeutische Qualifikationen“).

Bereits in den 90er Jahren bin ich auf Dorothea Weinbergs traumabezogene Arbeit mit Kindern aufmerksam geworden. Als erste „traumafokussierende Intervention“ konnte ich die von ihr entwickelte „Strukturierte Trauma-Intervention“ in meine Arbeit integrieren. Bis heute halte ich diese Methode für eine sehr hilfreiche, schonende und vergleichsweise leicht zu erlernende Trauma-Bewältigungs-Methode. Ich könnte sie mir auch gut als standardisiertes Hilfsmittel bei der Aussageerhebung im strafrechtlichen Bereich vorstellen.

Im weiteren Verlauf schulte mich Frau Weinberg in ihrer Methode der „Traumabezogenen Spieltherapie“, die ich hilfreich in meine personzentriertes Arbeiten integrieren und ab 2005 auch als Dozentin weitergeben konnte.

Aus der Verbindung von personzentrierter Spieltherapie, tiefenpsychologischer Psychotherapie und Dorothea Weinbergs Konzept der „traumabezogenen Spieltherapie“ kristallisierten sich für mich im Laufe der Jahre einige Prinzipien für die Arbeit mit komplex traumatisierten Jugendlichen – für die das Spiel als Medium altersbedingt nur noch begrenzt in Frage kommt- heraus.

Dorothea Weinberg war auch impulsgebend für mein 2019 erschienenes Fachbuch „Psychotherapie mit komplex traumatisierten Jugendlichen“ (Klett-Cotta, 2019).

Psychotherapie mit komplex traumatisierten Jugendlichen – Ein integrativer Ansatz für die Praxis“

Klett-Cotta, 2019

Beginnend mit dem Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes am 01.01.1999 rückte der spieltherapeutische Ansatz in der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie zunehmend in den Hintergrund, da mit der Ablehnung der klientenzentrierten Gesprächstherapie als Richtlinienverfahren auch die Spieltherapie nicht anerkannt worden war. Verständlicherweise entschieden und entscheiden sich angehende K&J-Psychotherapeut:innen in der Folge für eine Ausbildung in einem dieser Richtlinienverfahren (PA, VT, TP, später auch SYS). Das Spiel als therapeutisches Medium findet zwar auch in diesen Verfahren Eingang, ist aber nicht zentrales Element der jeweiligen Herangehensweise. Weil ich nach wie vor -und mehr denn je- davon überzeugt bin, dass sich Kinder authentischer im Spielen als durch Worte ausdrücken können und in diesem, ihrem Element auch besser erreichbar sind, habe ich im Jahr 2021 folgenden Artikel zum Thema veröffentlicht:

Ausgespielt?“
Ein Plädoyer für das Spiel als zentrales Medium in der Kinderpsychotherapie, Psychotherapeutenjournal, 15.09.2021 (hier geht’s zur PDF-Ausgabe)

Seit der Übergabe meiner Praxis an die Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin meiner Wahl bin ich nicht mehr therapeutisch tätig, doch das Thema Traumatisierung von Kindern und Jugendlichen und deren Behandlungsmöglichkeiten interessiert mich weiterhin – sowohl was die theoretischen Hintergründe betrifft, als auch die jeweils aktuellen Forschungsergebnisse oder neuen Interventionsansätze. Es macht mir nach wie vor große Freude, mein diesbezügliches Wissen und meine praktischen Erfahrungen an interessierte Kolleginnen und Kollegen in Supervision und Fortbildung weiterzugeben.


Traumatherapeutische Qualifikationen

Seit 2001 fortlaufende Aus- und Fortbildungen bei

  • Michaela Huber (Trauma-Arbeit bei Komplextrauma und dissoziativen Störungen)
  • Luise Reddemann (Stabilisierungstechniken)
  • Thomas Hensel (EMDR mit Kindern)
  • Oliver Schubbe (EMDR mit Erwachsenen)
  • Elke Garbe („Innere Kindarbeit in der Traumatherapie“)
  • Dorothea Weinberg (Strukturierte Trauma-Intervention, Traumabezogene Spieltherapie, Ausbildung zur Lehrdozentin 2008)
  • Lutz Besser („Screening-Technik“)
  • Karl-Heinz Brisch („Bindung und Trauma“)
  • George Downing („Körperorientierte Techniken in der Traumatherapie“)
  • Peter A. Levine, Marianne Bentzen, Susan Hart, Heike Gattnar (Somatic Experiencing“)
  • Jochen Peichl („Teilearbeit“)
  • Anne Schmitter-Böckelmann („Dissoziative Störungen bei Kindern u. Jugendlichen“)
  • Alexander Korittko („Systemische Traumatherapie“)
  • Thomas Weber/Damir („Brainspotting“)
  • Ellen Spangenberg (TRIMB)
  • Ellert Nijenhuis (Enaktive Traumatherapie)

Seit 2001 als Dozentin tätig (dgvt, FAP, MAPP, Kindertraumainstitut Offenburg, EREV, ÖAP, Weinberg-Institut, ASB, Kinderschutzdienste, AWP Berlin u.a.)

Seit 10/2014 Mitglied der DeGPT
Seit 28.09.2016 zertifiziert für „Spezielle Psychotraumatherapie mit Kindern und Jugendlichen (DeGPT)“

Seit 05/2012 akkreditierte Veranstalterin (PTK)
Seit 05/2015 akkreditierte Supervisorin (PTK)